Auf des Messers Schneide


Afghanistans schwieriger Aufbruch zwei Jahre nach dem Taliban-Ende ist geprägt von der Zerrissenheit des Landes. Außerhalb Kabuls herrschen Anarchie und mächtige Kriegsherren.

Von Conrad Schetter ; Conrad Schetter ist Afghanistan-Experte am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (www.uni-bonn.de).

(Bild: Knut Müller 701 X 429 Pixel - 96 DPI)

Gut zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes,der Stationierung der Internationalen Schutz- und Beistandstruppe (ISAF) und der Etablierung einer Übergangsregierung halten sich Ernüchterung über und Hoffnungen für die Zukunft Afghanistans die Waage. Auf der einen Seite vermochte es die Regierung Karzai, sich innerhalb der letzten 24 Monate in Kabul zu etablieren, und verdeutlicht die Anwesenheit von über 1100 Hilfsorganisationen den ernsthaften Willen der internationalen Gemeinschaft, den Wiederaufbau am Hindukusch voranzutreiben. Auf der anderen Seite finden nach wie vor kriegerische Auseinandersetzungen im Land statt, das noch immer im Chaos zu versinken droht. Diese äußerst angespannte Situation wird durch die sozioökonomischen Bedingungen verschärft: Der permanente Kriegszustand in den vergangenen 30 Jahren führte zur Verwüstung des gesamten Landes. Erblasten sind schätzungsweise 1,5 Millionen Todesopfer, über zehn Millionen Anti-Personen- Minen, eine Analphabetenrate von über 60 Prozent und die Flucht von bis zu 6,5 Millionen Menschen nach Pakistan und Iran.


Noch immer beschneidet das Kriegsfürstentum in den Provinzen die Autorität der Übergangsregierung. Deren Aktionsradius reicht kaum über die Stadtgrenze Kabuls hinaus. Allein die Präsenz der knapp 5000 Mann starken; ISAP sorgte bislang dafür dass Kabul nicht zum Schauplatz gewaltsamer Kämpfe zwischen rivalisierenden Warlords geworden ist. Die Macht in Afghanistan liegt in den Händen einer Vielzahl autonomer Warlords. Vor diesem Hintergrund steht die Einführung demokratischer Prinzipien vor enormen Schwierigkeiten. Dies verdeutlichte besonders die „loya jirga", die „Große Ratsversammlung" im Juni 2002, an der zirka 1600 Repräsentanten der Bevölkerung teilnahmen. Das Gros der Delegierten wurde von den lokalen Warlords bestimmt, die Wahlen zur „loya jirga" waren von Bestechungen, Repressionen, Drohungen und Attentaten begleitet. Auf der „loya jirga" selbst wurden die Entscheidungen nicht im Plenum, sondern von den einflussreichsten politischen Akteuren hinter verschlossenen Türen gefällt.


Der geringe Einfluss der Zentralregierung und damit das Fehlen eines staatlichen Gewaltmonopols sowie die Dominanz der Gewaltökonomie bedingen zudem, dass es seit dem Taliban-Ende in fast jeder Provinz wiederkehrend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Warlords um die Kontrolle von Überlandstraßen, Heroinfeldern, Wasserrechten, Bergbauminen etc. kommt. Überfälle sind an der Tagesordnung. So bekämpfen sich etwa die Milizen von Rashid Dostum und Mohammed Atta in der Nachbarschaft zum künftigen deutschen Wiederaufbau-Sektor Kunduz nahezu ständig. Um die Kriegsfürsten zu kontrollieren, sollen die acht im gesamten Land zu etablierenden Wiederaufbauteams (PRT) mit den lokalen Machthabern eng zusammenarbeiten und diese so in den Wiederaufbau und die Schaffung ziviler Strukturen eingebunden werden.


Demokratische Alternativen zur Herrschaft der Warlords in Afghanistan gibt es indes nicht. So sind die Parteien, die am ehesten moderate und demokratische Programme vertreten, aufgrund klientelistischer Bindungen stark fragmentiert. Auch sind es vor allem die Verlierer der politischen Entwicklungen seit dem Sturz der Taliban, die politische Parteien gründeten wie etwa der ehemalige Innenminister und Wortführer der NordalianzYunus Quanuni, oder der Islamist und ehemalige Präsident Burhanuddin Rabbani. Eine weitere Gefahr aus dem Islamistischen Lager droht von der Allianz aus Rasul Sayyaf und eben jenem Rabbani.


Beide waren in den 80-er Jahren wichtige Führer von Mujahedin-Parteien. Rabbani gilt nach wie vor als sehr einflussreich in Nordostafghanistan, während Sayyaf den strategisch wichtigen Ort Paghman oberhalb Kabuls kontrolliert. Mit dem Zusammenbruch der Taliban sind viele Anhänger der Taliban wie auch arabische Freischärler zu Sayyaf übergelaufen. Er wie Rabbani üben auf die Regierung großen Einfluss aus.


Aufgrund des völligen Fehlens von Parteien, die über ein klientelistisches Denken hinausgehen und demokratische Ideen vertreten, besteht die Gefahr, dass die Wahlen im Sommer 2004 nicht zu einer Entspannung sondern zu einer Verschärfung der bestehenden Konflikte führen werden. Es ist zu befürchten, dass Parteien, die mit extremen ethno-nationalistischen oder islamistischen Programmen antreten, als Gewinner hervorgehen werden, da sie diejenigen sind, die über die besten Netzwerke und umfangreichsten Klientel-Systeme verfügen.


Ein weitere Konflikt spielt sich zwischen der von den USA geführten Antiterror-Koalition und den Anhängern von Taliban und AI Qaida ab. Dass die Rest-Taliban nach wie vor eine Bedrohung für die Neuordnung Afghanistans darstellen, ist mit ständigen Attentaten und Anschlägen im Land belegt.


Jüngst häufen sich die Berichte, dass sich Terrorgruppen aus dem pakistanischen Grenzgebiet heraus neu formieren. Die Kämpfe zwischen US-Streitkräften sowie Taliban- und AI Qaida-Anhängern im Süden und Südosten des Landes nahmen zuletzt an Häufigkeit und Schärfe dramatisch zu.


In diesem Zusammenhang wird immer wieder Gulbuddin Hekmatyar genannt. Er war in den 80-ern einer der führenden Köpfe des Widerstands der Mujahedin gegen die kommunistischen Machthaber in Kabul. Nach eigenen Angaben bekämpft er jetzt die Regierung Karzai und sammelt versprengte Reste von Taliban und AI Qaida um sich.


Die komplexe Konfliktsituation in Afghanistan lässt auch zwei Jahre nach dem Taliban-Ende kaum Prognosen fiir die Zukunft des Landes zu. Eines ist jedoch Fakt: Über den Irakkrieg ist Afghanistan in den Hintergrund der weltweiten Fokussierung gerückt. Jedoch stellte gerade das globale Augenmerk den wesentlichen Garanten dafür dar, dass kämpferische Auseinandersetzungen am Hindukusch bislang lokal begrenzt blieben und es nicht zum Flächenkrieg kam.


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Riesige Öl- und Gasressourcen


Warum investiert der Westen im kargen, unwirtlichen, ökonomisch unbedeutenden Afghanistan viel Aufwand und Geld? Zwei Fragen an den geopolitischen Experten Frank Umbach von der DGAP


Foto: DGAP ; Frank Umbach


Herr Umbach, von humanitären Beweggründen und der Terrorismusbekämpfung abgesehen - welche geopolltlschen Überlegungen des Westens stecken hinter dem Engagement In Afghanistan?


Würde es sich um das Land allein handeln, wäre Afghanistan für den Westen wenig interessant. Es geht aber um die beiden Gesamtregionen Zentralasien/Mittlerer Osten („Greater Middle East") und Südasien (insbesondere Indien-Pakistan), zu denen Afghanistan gehört. Beide Räume sind gewaltig instabil - insbesondere der „Größere Mittlere Osten". Das untermauern zwei UNDP-Studien (Arab Human Development Report) aus den vergangenen zwei Jahren, vorgenommen von unabhängigen arabischen Wissenschaftlern. Danach weist die Entwicklung im Mittleren Osten gewaltige Defizite in einer Größe auf, dass zu befürchten steht, der gesamte Raum entwickelt sich in den nächsten Jahrzehnten zu dem Krisenherd der Welt schlechthin. Dies ist unabhängig vom Kampf gegen AI Qaida und vom Geschehen im Irak zu sehen. Bis auf die Subsahara-Zone wies in den 90-er Jahren keine Region der Welt ein geringeres Wirtschaftswachstum auf. Zugleich sind Zentralasien und Mittlerer Osten aber geopolitisch enorm wichtig. Am Persischen Golf, in Zentralasien und im Kaspischen Becken lagern riesige Öl- und Gasressourcen - 70 Prozent der Weltrohölreserven. Da der Weltenergiebedarf in den nächsten Jahren gewaltig steigen wird, dürfte der gesamte Raum noch bedeutender werden. Vor diesem und dem Hintergrund der von den UN aufgezeigten Entwicklungsdefizite, etwa in der Bildung und Ausbildung der Menschen, und der politisch wenig reformfreudigen autokratischen Herrschaftsregime sind keine guten Entwicklungsperspektiven zu erwarten.


Der Terrorismus wird in diesen Staaten eher noch Zulauf finden. Was kann der Westen angesichts dieser Perspektiven In Afghanistan erreichen?


Anfangs galt der Kampf in Afghanistan dem Terrornetzwerk AI Qaida. Er findet auch immer noch statt. Doch wenn man weiß, dass der Großteil der nach Deutschland eingeschleusten Drogen aus Afghanistan kommt, ist das Engagement dort zusätzlich begründet. Wenn man die Einfuhr afghanischer Drogen bekämpfen wollte, müssen die Ursachen auch im Herkunftsland angegangen werden. Es geht also letztlich darum, Afghanistan langfristig zu stabilisieren und der Bevölkerung eine Entwicklungsperspektive aufzuzeigen, quasi als Baustein in der Stabilisierung der Gesamtregion. Erst wenn das gelingt, wird es ökonomisch in Afghanistan voran gehen. Das Land ist so gelegen, dass es sich als Transitraum für Erdöl und Gas aus dem kaspischen Raum in Richtung Süden bis an den Indischen Ozean eignet. US-Energiefirmen haben entsprechende Optionen bereits ernsthaft durchdacht, ms

(Bild: Joe Raedle / Getty Images - 728 X 443 Pixel - 96 DPI )

Opium für den Westen


Von Mostafa Danesch


(Mostafa Danesch ist freier Journalist in Köln. Sein vorstehender Beitrag (Originaltitel: „Opium für die Ungläubigen") wurde leicht verändert am 18. Oktober in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.)


Mohnplantagen und Hanffelder sind die blühenden Landschaften Afghanistans. Die Rauschgiftmafia überzieht das Land mit Korruption, Gewalt und Terrorismus


Berauschende Düfte erfüllen die trockene Steppenluft. Um diese Mittagsstunde ist es fast 50 Grad heiß. Beinahe senkrecht fallen die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach der fünf, sechs Bäume, die diese kleine, Oase am Ortsrand von Balkh beschatten. Sie durchschneiden die mit Haschisch- und Opiumrauch und Wüstenstaub geschwängerte Wolke, von der die Gäste umgeben sind. Auf einem Hügel in der Nähe liegt ein Heiligtum; das hat sich ein geschäftstüchtiger Wirt zunutze gemacht und diesen Rastplatz errichtet, der aus wenig mehr besteht als einer Lehmhütte, einem Brunnen und einer vier mal vier Meter großen Fläche unter Bäumen, die er mit Beton ausgegossen hat. Die Besucher lagern auf schmuddligen Sitzpolstern, doch die jungen Männer, die hier ausruhen, sind keine Pilger; zumindest ist die Erleuchtung, die sie suchen, nicht religiöser Art. Offiziell sind Opium und Haschisch - beides wird von den Bauern in der hiesigen Gegend in großen Mengen und guter Qualität produziert - in Afghanistan verboten, aber der Genuss ist Jahrhunderte alte Tradition und in geselliger Runde akzeptiert wie das Teetrinken.


Das einfache Rasthaus liegt inmitten einer Ruinenlandschaft. Hier erhob sich einst, bis Alexander der Große es auf seinem Feldzug nach Zentralasien zerstörte, das 5000 Jahre alte Balkh, das man in der islamischen Welt die „Mutter aller Städte" nennt. Die Archäologie hat diese historische Stätte bisher kaum erschlossen. Noch immer verbergen sich unter dem Schutt ungehobene Schätze, die eine magische Anziehung auf Raubgräber ausüben. Im Schatten der Bäume kreisen die Wasserpfeifen und der grüne Tee. Auch der Gastgeber hält mit; zwischen den Zügen kühlen Rauchs, den er genießerisch einsaugt, deklamiert er Verse von Hafis. Wenn man nicht genau hinsieht, könnte man sich in ein Gedicht des großen persischen Poeten versetzt fühlen. Auf den zweiten Blick allerdings fällt auf, dass die Wasserpfeifen aus Plastikflaschen gebastelt sind, dass Holzkohle und Metallstäbchen, die zum Rauchen gebraucht werden, über einem Gasbrenner erhitzt werden und dass einige der etwa 30 Besucher ihre Maschinengewehre neben sich abgelegt haben. Sie gehören zur Miliz des örtlichen Kommandanten, der in Balkh residiert.


Gern führt der Gastgeber vor, wie Opium geraucht wird: Man kann die harzartige Masse nicht einfach anzünden und den Rauch inhalieren, denn Opium beginnt erst bei sehr hohen Temperaturen zu qualmen und wird dann auch flüssig. Also steckt er ein Kügelchen des Rohopiums auf ein Metallstäbchen und erhitzt ein zweites über dem Gaskocher. Über dem Hals der Flasche bringt er damit das Opium zum Schmoren und zieht über einen dünnen Schlauch, der seitlich durch die Wand der Flasche gebohrt ist, den durch das Wasser abgekühlten Rauch ein.


„GEGEN AFGHANISTAN IST KOLUMBIEN FAST EINE DROGENBEFREITE ZONE"

HANS-CHRISTIAN STRÖBELE, BÜNDNIS 90/GRÜNE


Trotz seines leicht entrückten Blicks entgeht dem Wirt nichts. Immer wieder unterbricht er das Gespräch und springt auf, um Kunden zu bedienen, deren Geländewagen kurz an seinem Teehaus stoppen. Dann holt er kleine Säckchen mit Haschisch und Opium aus seiner Hütte, in der offensichtlich noch reichlich Vorrat liegt. Selbst aus dem 30 Kilometer entfernten Mazar-i Sharif, der nahen Metropole mit ihren zweieinhalb Millionen Einwohnern, kämen die Käufer zu ihm, berichtet er stolz. „Jetzt ist es natürlich noch ruhig", erklärt er. „Aber ihr solltet einmal am Abend herkommen. Ich habe einen Generator und elektrisches Licht, und wir feiern rauschende Feste. Niemand wird euch etwas anhaben; Afghanistan ist ein freies Land."


Tatsächlich geschieht das Treiben in der Ruinenlandschaft praktisch unter den Augen des örtlichen Kommandanten, dessen Hauptquartier nur 200 Meter entfernt im Zentrum von Balkh liegt, direkt an dem Kreisverkehr, der die Mitte des Ortes markiert. Auf dem Dach eines kleinen Vorgebäudes sitzen seine Milizionäre und registrieren genau, wer das Städtchen betritt oder verlässt. Auch ohne Voranmeldung wird ein kurzes Interview genehmigt. Aber nein, antwortet der Kommandant, in sei nem Gebiet würde kein Rauschgift angebaut. „Wir haben viele Mohnfelder niedergebrannt", versichert er. „Und wer Drogen verkauft oder zu sich nimmt, der wird bei mir streng bestraft." Doch Zweifel bleiben: Sogar aus der Richtung der Wachen, die in wenigen Metern Entfernung Posten bezogen haben und selbst gedrehte Zigaretten rauchen, zieht süßlicher Qualm herüber.


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Der Kommandant vonBalkh gehört der Mujahedin-Fraktion der „Djamiat-e Islami" an, die Jahrzehnte lang einen Guerillakrieg rührte, zuerst gegen die Sowjets, dann gegen die kommunistische Regierung und schließlich in der Anti-Taliban-Koalition der Nordallianz. Er wiederum untersteht Ustad Ata, einem der in Mazar-i Sharif herrschenden Lokalherren. Nachdem die Amerikaner die Taliban vertrieben hatten, hatte der Tadschike sich im Handstreich in Mazar-i Sharif festgesetzt, der alten Hochburg des bekannten Usbekengenerals Dostum. Während General Ata mit seinen Truppen auf den Straßen Präsenz demonstriert, halten sich Dostums Soldaten zurück. Doch die Spannung ist mit Händen zu greifen; jederzeit können zwischen den alten Rivalen, die sich in den Neunzigerjahren bis aufs Messer bekämpften und dann in der Nordallianz verbündet waren, Feindseligkeiten ausbrechen - so in diesem Herbst, als es bei Kämpfen nahe Mazar-i Sharif mehrfach Dutzende Tote gab.


Ustad Ata ist Feudalherr, Armeekommandant und Drogenbaron in einer Person. Diese unselige Verquickung ist kein Einzelfall, sondern das Übel, an dem Afghanistan krankt. Atas Einfluss reicht, wie der anderer Kriegsherren, bis in die Regierung hinein. Der Fundamentalist Rasul Sayyaf etwa hatte sich im Bürgerkrieg durch die Bombardierung Kabuls hervorgetan; seine Äußerung, man müsse die Dächer abdecken und die Sünde ausbrennen, muss den Menschen in der zerstörten Hauptstadt wie Hohn in den Ohren geklungen haben. Heute ist Sayyaf, der Tausende Kämpfer kommandiert, die graue Eminenz hinter der Kabuler Regierung. Zu seinen Leuten gehören der oberste Richter, mehrere Minister und der Gouverneur von Kabul. Selbst Präsident Karzai kommt nicht umhin, bei wichtigen Entscheidungen seine Zustimmung einzuholen.


(Grafik: Rainer Czarnetzki 870 X 467 Pixel - 150 DPI )

Sayyafs Einflussgebiete sind fast über das ganze Land verteilt. Doch insbesondere die Region Badachschan im Zuständigkeitsbereich des deutschen Wiederaufbauteams in Kunduz im Nordosten Afghanistans ist seine Goldgrube. Dort lassen seine Kommandanten im großen Stil Opium anbauen; das in ihren Labors produzierte Heroin wird nach Russland und Europa exportiert. So reichlich sprudeln die Dollars dort, dass Badachschan im Volksmund inzwischen das „Kuwait Afghanistans" genannt wird. Dabei sehen diese frommen Muslime keinen Widerspruch darin, eine Droge zu exportieren, die ihre Konsumenten in Sucht und Elend treibt. Sie setzen damit eine Politik fort, die schon die Taliban betrieben: die Bekämpfung der Ungläubigen durch Rauschgift. „Die Fremden haben uns Waffen geschickt, damit wir uns gegenseitig umbringen", erklärt Wakil Abdul Wahab, der im Ältestenrat von Mazar-i Sharif sitzt. „Nun schicken wir ihnen Drogen, mit denen sich ihre Kinder vergiften."


Doch der überdimensionierte Rauschgiftanbau hat neben ideologischen vor allem finanzielle Gründe: „Warum sollte ich Getreide anbauen?", fragt der alte Hanfbauer Gholam Reza. Für ein Kilo Weizen bekommt er fünf Afghani - umgerechnet zehn Cent -, für ein Kilo Opium aber fast 12 000. Und dabei steht er, der sich seine Einnahmen auch noch mit den „Schutzpatronen" teilen muss, am unteren Ende der Leiter; bis das Opium, für das er 240 Dollar pro Kilo bekommt, meist in Heroin verwandelt, im Westen an seine Konsumenten gelangt, haben Zwischenhändler märchenhafte Profite gescheffelt.
(Bild: Knut Mueller 716 X 399 Pixel - 150 DPI )

Nicht nur im Norden, im ganzen Land hat der Drogenanbau seit dem Sturz der Taliban einen rasanten Aufschwung genommen. Die Massenproduktion ist fast ausschließlich für den Export bestimmt. Schmuggelrouten rühren von Nordafghanistan nach Tadschikistan, über den Nordwesten und Herat nach Turkmenien und in den Iran, wo die Revolutionswächter kräftig im Drogenhandel mitmischen, und von Süden her über Kandahar oder durch den Osten des Landes nach Pakistan. Das Opium aus der Gegend um Mazar-i Sharif wird größtenteils von Kamelkarawanen über Kunduz und Tachar nach Tadschikistan transportiert, wo die russische Drogenmafia übernimmt.


Wenn man eine solche Drogenroute mit eigenen Augen sehen wolle, so raten die Leute in Mazar-i Sharif, solle man für die Fahrt nach Kunduz - etwa 180 km – nicht die Salangstraße einschlagen, sondern dem Karawanenpfad „Irganak" folgen. In dieser Richtung erstreckt sich nichts als Wüste, sobald man die Stadt hinter sich gelassen hat. Um Landwirtschaft zu betreiben, fehlt das Wasser. Die unbefestigte Piste verschwindet immer wieder. In dieser menschenleeren Einöde, in der noch Minen aus den Kriegen der letzten Jahrzehnte liegen, sind nur die Schmuggler unterwegs. Niemand sonst hat einen Grund, die Gegend zu durchqueren; weder die US-Truppen, UN-Inspektoren noch ausländische Helfer wagen sich hierher. Solche Schmuggelpfade sind nicht zu kontrollieren.


Dann und wann sieht man in der Ferne die Karawanen. Schwer beladen erklimmen die Kamele gemächlich einen Hang oder tauchen in ein Tal ein. Ungefähr 15 Kilometer vor Kunduz führt die Autopiste einen Hügel hinauf, hinter dem die Stadt sichtbar wird. Eine Karawane, die seit geraumer Zeit zu sehen ist, biegt plötzlich in eine Senke ab: Die Schmuggler umgehen die Stadt weiträumig. Von hier aus ziehen sie weiter zum Amu-Darja-Fluss, der die Grenze zu Tadschikistan bildet.


Kunduz ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit etwa 50 000 Einwohnern. Auf den Straßen ist selten Militär zu sehen. Die hier bislang stationierten Soldaten eines amerikanischen Wiederaufbauteams hielten sich mit öffentlicher Präsenz zurück. Sie werden bis zum Frühjahr von bis zu 450 Bundeswehrsoldaten abgelöst. Der örtliche Machthaber, Mohammad Doud, möchte allerdings lieber nur 100 ausländische Soldaten sehen. Auch er ist in seinem Einflussgebiet autonomer Herrscher, obwohl er behauptet, loyal zur Kabuler Regierung zu stehen. „Natürlich sind die Deutschen willkommen", erklärt er. „Doch die Polizeiarbeit sollen sie den einheimischen Behörden überlassen." Die Bundeswehrsoldaten sind also sicher, so lange sie sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen, sprich, die Drogenhändler in Ruhe lassen.


Katz und Maus


Der Süden Afghanistans ist längst wieder Operationsgebiet von Terroristen. Der Kampf von US-Special Forces und Infanterietrupps gegen die Taliban wird zum aufreibenden Spiel


Matthias Gebauer (29), SPIEGEL ONLINE-Korrespondent, war im August drei Wochen im Süden Afghanistans unterwegs. Für drei Tage begleitete er als „embedded Journalist" das 22. Infanterie-Regiment der US-Armee auf der Jagd nach den wiedererstarkenden Taliban.

Als die vier Hubschrauber vom Typ „BlackHawk" im Morgengrauen zur Landung ansetzen, füllt sich das kilometerweite Tal in der südafghanischen Region Dai Chopan mit dichtem Nebel aus trockenem Staub. Rund um die Maschinen biegen sich die Mandelbäume weg. Die Esel auf den Feldern suchen das Weite. Nach anderthalb Minuten ist der ohrenbetäubende Spuk vorbei. Die mattschwarzen Helikopter schweben über die Berge hinweg zurück zur US-Base nach Kandahar.


Auf dem Boden des Tals ist es weniger gemütlich. In den festgetrockneten Furchen auf den Feldern des Tals bleiben Dutzende von US-Soldaten des 22. Infanterie-Regiments mit ihren entsicherten M-16-Gewehren liegen. „Watch out for the enemy", brüllt einer der Squad-Führer und blinzelt unter seiner verspiegelten Brille. Doch erst nach Minuten legt sich der Staub. Die US-Anti-Terror-Kämpfer bekommen klare Sicht. Mit Ferngläsern spähen sie rundum die bis zu 3500 Meter hohen Gebirgszüge aus. Dann die Entwarnung: Kein Feind zu sehen. Erstmal sollen sich die Männer ins provisorische Lager zurückziehen.


Auch wenn die fast 100 Soldaten das weitläufige Tal in Dai Chopan mit seinen ausgedörrten Feldern und tief zerfurchten Bergen kaum übersehen können, ist es nur ein kleiner Schauplatz in der neuen Kampfzone im Süden Afghanistans. Anderthalb Jahre nach dem Krieg gegen die Taliban braut sich im ganzen Süden neuer Widerstand gegen die USA zusammen, der jeden Tag stärker wird. Während in Kabul eine neue Verfassung verabschiedet wird, zeigen die „Koran-Schüler" hier, dass sie erstarkt sind.


TERRORGRUPPEN FORMIEREN SICH AUS DEM PAKISTANISCHEN GRENZGEBIET HERAUS NEU


(Bild: Scott Nelson 719 X 451 Pixel - 150 DPI )

Polizeistationen werden besetzt, Gouverneure bedroht. Schulen abgefackelt. Fast jeden Tag kommen Meldungen aus der Region, die eines klar machen: Der Krieg gegen die Taliban ist nicht zu Ende. Mit Operationen wie in Dai Chopan versuchen die USA, die zum Anti-Terror-Kampf noch etwa 5000 Soldaten inklusive Special Forces-Truppen (inzwischen ohne Unterstützung durch deutsche KSK-Elitekämpfer, die aus Afghanistan abgezogen wurden) stationiert haben, die Taliban wenigstens so gut es geht auseinander zu treiben. Überall in der Region Zabul und weiter südlich fanden in den vergangenen Monaten jeden Tag ähnliche Missionen wie die des 22. Infanterie-Regiments statt. In der groß angelegten Operation „Mount Viper" ringt die Supermacht mit mehreren Hundert Soldaten und massiver Unterstützung der im Aufbau befindlichen afghanischen Armee am Boden und Bombern mit den Taliban - bisher ohne wirklichen Erfolg.


Über den Tag hinweg brauchen die US-Soldaten den Feind nicht zu suchen. Sie wissen, dass die Taliban im Schutz der Dunkelheit operieren. Erst dann suchen die Gotteskrieger ihre zahllosen Waffenverstecke in den Bergen auf oder steigen hinab in die Dörfer, um die Einwohner zu schikanieren und einzuschüchtern. Die Gegend hier kennen sie besser als die Terror-Jäger der US-Armee. Keine Technik spürt kleine Gruppen von Männern mit Turbanen in den Bergen auf. Und selbst wenn, würden die im Gegensatz dazu eher trägen US-Truppen zu lange brauchen, um vor Ort zu sein. Die US-Soldaten von Captain Toby Moore sind deshalb auf menschliche Informationen angewiesen. Überall in den Bergen operieren die Männer der Special Forces und suchen nach Hinweisen auf Taliban-Aktivitäten. Als sich am Nachmittag einer der Spezialtrupps den Infanteristen nähert, ziehen die zunächst die Waffen. Ihre eigenen Soldaten sind kaum zu erkennen. Mit Turban, langen Gewändern und Bärten schlurfen sie durch den Staub auf das Lager der Soldaten zu. Erst durch einen Funkcode identifizieren sie sich.


Viel haben die Elite-Soldaten heute nicht zu berichten. In den vergangenen Tagen waren sie immer wieder an verschiedene Orte gelaufen oder wurden dort mit dem Helikopter abgesetzt. Taliban haben sie wenige gesehen. „Wir sind jetzt eine Woche hier im Umkreis unterwegs", sagt einer der Männer ohne Namen, „das hat sich mittlerweile herum gesprochen". Der uniformierte Captain der Infanteristen sieht das etwas optimistischer. „In dieser Region sind kaum noch Taliban-Kämpfer", analysiert Toby Moore nicht ohne Stolz. Im Gesicht des „Special Forces"-Mann ist zu sehen, dass er das anders bewertet. „Wir spielen ein Katz- und Mausspiel hier", knurrt er beim Abendessen, „und jeder weiß ja, dass eine zu langsame Katze dieses Spiel selten gewinnt."


DIE KOMPLEXE KONFLIKTSITUATION LÄSST NOCH IMMER KAUM PROGNOSEN FÜR DIE ZUKUNFT AFGHANISTANS ZU


(Bild: Tim Turener / Getty Images -  722 X 451 Pixel - 150 DPI )

Der Pessimismus der Elite-Kämpfer ist verständlich. Allzu deutlich wurde in den letzten Wochen, dass sich die Taliban mit ihrer Taktik sehr gut an die Bedrohung durch die hoch technisierte US-Armee angepasst haben. Die Gotteskrieger suchen keineswegs den Kampf mit dem überlegenen Gegner. Einer von ihnen, der sich nur Mullah Ismail nennt und einige hundert Kämpfer in der Provinz Helmand kommandiert, hat sich dafür ein blumiges Bild ausgedacht. „Die USA sind ein Elefant und wir sind die Moskitos", sagt er. „Sehr bald werden sie an unserer Malaria sterben." Es gehe dabei um die Symbolik und darum, die US-Kräfte auseinander zu ziehen, erklärt er.


Trotzdem müssen die Männer von Captain Moore in der Nacht in die Berge. Gewappnet mit Nachtsichtgeräten steigen die Soldaten der „Mountain"-Division die steilen Geröll-Hänge hinauf. Auf dem Rücken tragen sie ihre Ausrüstung plus Essen und Wasser, eine Hand befindet sich immer am Abzug der M-16. Rund um die Truppe stehen Späher mit noch besseren Geräten und scannen die Berge. Kurz darauf gibt Captian Moore das Zeichen zum weiteren Aufstieg. So geht das Nächte lang. Gefunden haben die Terroristen-Jäger in der ganzen Woche jedoch nur drei Waffenlager mit alten AK-47. Sechzig Meilen sind sie dafür unterwegs gewesen.


Irgendwo auf dem Weg stoßen Moores Männer auf ein Dorf. Mit ihren Gewehren brechen sie die Türen auf und stürmen die Lehmbaracken. Verängstigt aussehende Afghanen werden nach Waffen durchsucht und nach einem Standard-Muster befragt. Für die Frauen hat Captain Moore extra einen weiblichen Soldaten mitgenommen. Die Soldaten finden nichts. Die Männer des Dorfes berichten aber, dass die Taliban vor Wochenfrist hier waren und ihre letzten Lebensmittel gestohlen haben. Captain Moore verspricht dem Dorf-Ältesten, dass mit diesen Besuchen nun Schluss sei. Später gibt er zu, dass dies freilich eine Lüge war.


Lange dauert es nicht, bis das auch die Bewohner des Tals bemerken. Das letzte Zeichen der kurzen Besetzung durch die Amerikaner reißt die wenigen Menschen hier um vier Uhr morgens nochmals aus dem Schlaf. Die Erde bebt von den Detonationen der acht Granaten, die mit Leuchtmunition die Berge ein letztes Mal ausleuchten. Doch auch im bläulich-fahlen Licht der Illumination ist kein Taliban-Kämpfer zu sehen.


Rund eine Stunde später versinkt das Tal wieder im von den Hubschraubern aufgewirbelten Staub der trockenen Felder. Captain Moore und seine Männer ziehen auf ihrer Taliban-Jagd weiter nach Süden. Das Tal in Dai Chopan gehört wieder den "Koran-Schülern".

Kunduz-Einsatz angelaufen


Vorauskommando der Bundeswehr bereitet die Ankunft des Hauptkontingents vor / Soldaten schützen zivile Helfer und halten sich aus Drogenbekämpfung heraus


Einen Tag nach dem mit breiter Mehrheit gefassten Bundestagsbeschluss (24. Oktober) landete ein Vorauskommando der Bundeswehr in Kunduz. Es hat die Aufgabe, die Ankunft des bis zu 450 Mann starken Hauptkontingents vorzubereiten. Im Frühjahr soll das deutsche Wiederaufbauteam vollzählig und einsatzbereit sein. Bis dahin werden sich die Soldaten auf dem bisher von den Amerikanern genutzten Gelände mit einigen Wohnbaracken und einer Küche eingerichtet haben. Noch sind die deutschen Soldaten überwiegend in Zelten untergebracht. Der Bau weiterer fester Unterkünfte ist geplant.


Nach Regierungsangaben sei es Ziel der Mission, die Durchsetzungsfähigkeit der afghanischen Zentralregierung im gesamten Staatsgebiet zu erhöhen. Dazu sollen insgesamt acht regionale Wiederaufbauteams etabliert werden.; neben dem der Deutschen handelt es sich um fünf US-Teams in Gardez, Jalalabad, Herat, Kandahar, und Charikar, um ein Neuseeländisches Team in Bamian und ein britisches in Mazar-i Sharif. Die Soldaten sollten die zivilen Helfer schützen und die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützen, aber nicht den Drogenanbau und-handel bekämpfen, heißt es. Ms

Kein Spaziergang


Stellvertretender Vorsitzender der SPD – Bundestagsfraktion


Gernot Erler


„Die Kunduz-Mission ist kein Spaziergang der Bundeswehr in ein sicheres Gebiet, gewissermaßen überflüssig und lediglich der Tätigkeitsnachweis für einen deutschen Beitrag im Antiterrorkampf und damit ein Ersatz für andere Aktivitäten. Es ist eine schwierige Aufgabe, dort ein sicheres Umfeld zu schaffen. Das kann man nur durch Präsenz der internationalen Gemeinschaft vor Ort. Wir können dabei auf das besondere Vertrauensverhältnis der Bevölkerung zu Deutschland zurückgreifen. Wir kommen dem Wunsch der afghanischen Übergangsregierung nach, das exakt dort (in der Region Kunduz) zu tun. Es kann natürlich nicht darum gehen, dort Sicherheit zu erzwingen. Mit 230 bis 450 Soldaten wäre das lächerlich.


Doch gerade in den vier Nordprovinzen Kunduz stehen wichtige, exemplarische Prozesse bevor, etwa die Demobilisierung, Demilitarisierung und Reintegration (von Kämpfern der verschiedenen Armeen)."

„Insel-Konzept" überzeugt nicht


Werner Hoyer


Aussenpolitischer Sprecher der FDP Bundestagsfraktion


„Das deutsche Engagement in die Region Kunduz auszuweiten, ist ein Fehler. Weder das dahinter stehende „Insel-Konzept“ noch die Auswahl der Region ist überzeugend. Eine schrittweise Stabilisierung Afghanistans durch die Einrichtung von so genannten Stabilitäts-lnseln kann - wenn überhaupt - nur funktionieren, wenn solche ,Inseln' flächendeckend eingerichtet werden, vor allem in den besonders gefährlichen Regionen. Die Bundesregierung bemüht sich zwar, möglichst viele EU- und NATO-Partner an Bord zu bekommen, aber die erhofften Nachahmungseffekte sind mehr als zweifelhaft. Das Konzept mit seiner gezielten Verquickung ziviler und militärischer Aufbauhilfe wird zudem von Hilfsorganisationen überwiegend abgelehnt. Nicht ersichtlich ist zudem, wie ein erst im Frühjahr einsatzfähiges Team eine seiner Hauptaufgaben, Hilfe bei den Wahlen im Sommer 2004, in so kurzer Zeit bewerkstelligen soll."



Klicken Sie folgende Schriftbilder an um mehr über die Geschichte Afghanistan zu erfahren

(Geschichte Afghanistan) (Geschichte Afghanistan) (Geschichte Afghanistan) (Geschichte Afghanistan)

--1975-1977


--Daoud Khan präsentiert eine neue Verfassung. Frauenrechte werden bestätigt.
--Daoud beginnt verdächtigte Gegner seiner Regierung zu vertreiben.

--1978


--Blutiger Kommunistenputsch: Daoud wird umgebracht, Taraki wird Präsident und Karmal wird sein stellvertretender Premierminister. Spannungen steigern sich.
--Massenverhaftungen und Folter finden statt
--Afghanische Flagge wird geändert.
--Taraki unterzeichnet einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion.
--Juni--afghanische Guerrilla (Mujahideen) Bewegung wird geboren.

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-1979


--Massenermordungen
--Amerikanischer Botschafter wird ermordet.
--Taraki wird umgebracht und Hafizullah Amin übernimmt die Präsidentschaft.
--Amin wird hingerichtet und von Babrak Karmal ersetzt.
--Die Sowjetunion marschiert im Dezember ein.

--1980


--Dr. Najibullah wird aus der UDSSR zurückgebracht, um die Geheimpolizei zu führen.

--1984


--Die UN sendet Untersuchungsbeamten nach Afghanistan um gemeldete Menschenrechtsverletzungen zu überprüfen.

--1986


--Babrak Karmal wird durch Dr. Najibullah ersetzt.

--1987


--Najibullah schlägt Waffenruhe vor, doch die Mujahideen weigern sich mit einer "Marionettenregierung" zu verhandeln.
--Mujahideen machen einen großen Gewinn, der Sieg über die Russen ist hervorragend.

--1988--1989


--Der Friedensvertrag wird in Genf unterzeichnet.
--Sowjetunion wird von Afghanistan besiegt, totaler Rückzug der Sowjets am 15.02.1989.
--Experten einigen sich, daß neben den Verwundeten, Selbstmördern und Ermordeten mindestens 40.000-50.000 Sowjets ihr Leben verloren haben.
--Mujahideen setzen ihren Kampf gegen Najibullahs Regime fort..
--Mai--Afghanische Guerrillas wählen Sibhhatullah Mojadidi als Oberhaupt ihrer Regierung im Exil.

--1992


--15. April--Die Mujahideen nehmen Kabul ein und befreien Afghanistan, Najibullah wird von der UN beschützt. --Die Mujahideen gründen einen Islamischen Staat--Islamic Jihad Council--Wahlen.
--Iranische and pakistanische Einmischungen steigen--mehr Kämpfe--
--Professor Burhannudin Rabbani wird zum Präsidenten gewählt.

--1994


--Die Taliban Miliz wird geboren, und dringt rapide in die islamische Regierung vor.
--Dostumund Hekmatyar fahren mit ihrem Kampf gegen Rabbanis Regierung fort, worauf Kabul zu Schutt wird.

--1995


--Massive Gewinne der Taliban.
--Verstärkte pakistanische und iranische Einmischung.

--1996


--Juni--Gulbuddin Hekmatyar, Oberhaupt der Hezbi-Islami, unterzeichnet einen Friedenspakt mit Rabbani und kehrt zurück nach Kabul um als Premierminister zu regieren.

--27. September

--Taliban Miliz zwingt Präsident Rabbani und seine Regierung aus Kabul hinaus. Nach der Eroberung Kabuls hängen die Taliban Najibullah.
--Allianz zwischen der Regierung, Hezbi Wahdat und Dostum
--Unerdrückung der Frauen durch die Taliban--Frauen müssen vollständig verschleiert sein, dürfen nicht mehr zur Arbeit gehen, nicht ohne männliche Begleitung rausgehen oder sogar weiße Socken tragen. Männer werden gezwungen Bärte wachsen zu lassen. Buzkashi, der afghanische Nationalsport wird geächtet
--Spannungen verstärken sich, als die afghanische Regierung Pakistan beschuldigt die Taliban zu unterstützen.
--Massive Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban.

1997

März:

Kabul-Universität wiedereröffnet. Explosion eines Waffendepots in Jalalabad, 50 Tote.

Mai:

Vergeblicher und verlustreicher Versuch der Taliban, Mazar-e Sharifzu erobern. Sie halten aber weite Gebiete des übrigen Nordens, zugleich andauernde Kämpfe um Badghis und Faryab in Nordwest-Afghanistan, Vormarsch der T. auf Zentralafghanistan. Obwohl die T. das Land klar dominieren, wird die geflüchtete Regierung des B. Rabbani weiterhin von den UN, USA und Europa offiziell anerkannt. Pakistan, S-Arabien und die Ver. Arab. Emirate nehmen volle diplomat. Beziehungen mit den Taliban auf.

Juni:

Versuch der Anti-Taliban-Allianz, eine neue Regierung zu bilden. Kunduz fällt an die Taliban. Iran schließt Grenzen mit Afghanistan.

Juli:

Massoud rückt wieder bis 25 km auf Kabul vor. Aug.: A. Rahim Ghafurzai, Premierminister der Oppositionsregierung stirbt bei Hubschrauberabsturz.

Sept.:

zweiter vergeblicher Versuch der Taliban, Mazar zu erobern. R. Dostam kehrt aus dem Exil nach Mazar zurück. Emma Bonino, Menschenrechtskommissarin der EU, wird in Kabul mit ihrer Delegation für zwei Stunden festgenommen.

Okt.:

Der deutsche Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Afghanistan N. Holl gibt auf und erklärt seinen Rücktritt zum Jahresende.

1998:

Februar:

Schweres Erdbeben in Takhar (NO-Afgh.), mindestens 4.000 Tote.

Juni:

Zweites Erdbeben im gleichen Gebiet tötet ca. 4.500 Menschen.

Juli:

T. erobern Faryab. Taliban fordern NGOs in Kabul auf, in eine Ruine umzusiedeln. NGOs beginnen, Kabul zu verlassen.

August:

T. erobern Shiberghan, wenige Tage später Mazar-e Sharif. Großes Blutbad, mehr als 4000 Hazaras ermordet. 9 Iraner in der iran. Botschaft ermordet, dies Anlass für großen iran. Truppenaufmarsch an der afghan.-iran. Grenze.

20 Aug.:

US-amerikanischer Raketenangriff auf terroristische Ausbildungslager in Khost (SO-Afghanistan), um Osama Bin Laden zu treffen, den ex-saudischen Bauunternehmer und ehem. Teilnehmer am Afghanistankrieg, der verdächtigt wird, die Bombenanschläge auf US- Botschaften in Nairobi und Daressalam angezettelt zu heben. Bin Laden, von den USA und S-Arabien gesucht, genießt Asyl in Afghanistan. Der italienische UN-Beobachter Col. C. Calo wird in Kabul erschossen. Tat blieb unaufgeklärt, ausländische UN-Angehörige verlassen Afghanistan.

13. Sept.:

Taliban erobern die vorwiegend schiitische zentralafghan. Provinz Bamian und besiegen die pro-iranische Hizb-e Wahdad, deren Führer Karim Khalili flieht, ihr zweiter Mann, Moh. Akbari, schließt sich den T. an.

1999:

März:

Friedensverhandlung in Ashghabad/Turkmenistan zwischen hohen Repräsentanten Massouds und der Taliban. Beteiligung der Opposition an Exekutive und Justiz vereinbart. Kämpfe gehen verstärkt weiter. Nach Sicherheitszusagen der T. kehren ausländische UN-Vertreter und NGOs nach Kabul zurück.

20. April:

Massoud verliert Fayzabad, die Hauptstadt Badakhshans, an Anhänger der HIA(H), damit ist ein wichtiger Nachschubweg blockiert.

21.April:

Hizb-e Wahdad erobert Bamian zurück, Taliban beginnen sich aus dem Hazarajat zurückzuziehen.

9. Mai:

Bamian von den Taliban zurückerobert, in den folgenden Wochen sehr heftige Kämpfe.

Juni - Juli:

USA setzen Bin Laden auf die Liste der 10 meistgesuchten Terroristen und verhängen ökonomische Sanktionen gegen Taliban

15. Juli:

Abdul Ahad Karzai, Vater von Hamid Karzai, in Quetta ermordet.

Ende Juli - Oktober:

Großoffensive der Taliban gegen die Nordallianz, die Shamali-Ebene verwüstet und entvölkert.

14. Oktober:

UN Sicherheitsrat verkündet Wirtschafts- und Flugembargo gegen Taliban-Afghanistan für den Fall, dass Osama Bin Laden nicht ausgeliefert wird.

20. Oktober:

Der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs Lakhdar Brahimi erklärt seine Afghanistan-Mission für aussichtslos und damit für beendet.

14. November:

UN-Embargo in Kraft gesetzt.

Dezember:

16.000 Menschen, die aus der verwüsteten Shamali-Ebene vertrieben wurden, müssen in den Ruinen der ehemaligen Sowjetischen Botschaft überwintern.

24.-31. Dezember:

Ein indisches Verkehrsflugzeug mit 161 Personen nach Kandahar entführt. Ein Passagier ermordet. Passagiere, Besatzung und Flugzeug schließ!, im Austausch gegen 3 Kaschmir-Separatisten freigekommen.

2000:

17. Januar:

Francesc Vendrell neuer Sonderbeauftragter des UN- Generalsekretärs in Afghanistan.

6. - 10. Februar:

Ein Verkehrsflugzeug der Ariana mit 170 Menschen an Bord von einem Inlandsflug über Taschkent und Moskau nach Stansted bei London entführt. 74 Passagiere und Besatzungsmitglieder beantragen Asyl in GB.

I. März:

Offensive der Taliban in der Shamali-Ebene gegen Nordallianz.

26. März:

Ismail Khan, westafghanischer Mujahedin-Kommandant und ehem. Gouverneur von Herat, entflieht aus der Gefangenschaft bei den Taliban in Kandahar.

28. Juli:

Mullah Omar verbietet Opiumanbau.

6. Sept.:

Taluqan fällt an die Taliban.

12. Oktober:

Im Hafen von Aden werden bei einem Selbstmordanschlag 17 Matrosen des amerikanischen Zerstörers Cole getötet. Die USA verdächtigen Bin Laden und verstärken erheblich den Druck auf die Taliban, um die Auslieferung Bin Ladins zu erzwingen.

19. Dezember:

Der UN Sicherheitsrat erläßt erheblich verschärfte Sanktionen gegen die Taliban.

31. Dezember:

Wg. fehlender Finanzmittel beendet das UN-Drogen- Kontrollprogramm seine Aktivitäten in Afghanistan (im darauffolgenden Jahr reduzieren die Taliban die Drogenproduktion in ihrem Herrschaftsgebiet auf nahe Null).

2001:

3. Januar:

Mindestens 500 Menschen erfrieren in Lagern bei Herat. Wegen der 3-jährigen Dürre sind Hunderttausende aus dem westlichen zentralen Hochland in die Großstädte geflohen

II. Januar:

AI und HRW klagen die Taliban an, 100 - 300 Menschen nach der Eroberung von Yakawlang ermordet zu haben.

Januar:

Auch Pakistan beteiligt sich an den UN-Sanktionen, schließt alle Einrichtungen und Büros der Taliban und friert die Bankkonten von al-Qaida ein.

31. Januar:

Taliban verbieten endgültig jeden Opiumanbau.

26. Feb.:

Dekret von Mullah Omar, alle figürlichen Kunstwerke aus buddhistischer Zeit zu zerstören, einschließlich der Kolossalstatuen von Bamian. Es setzt ein internationaler Sturm der Entrüstung ein, an dem sich auch islamische Staaten und Persönlichkeiten beteiligen. Dennoch werden in den darauffolgenden Tagen die Statuen von Bamian gesprengt und unschätzbare antike Kunstwerke im Kabul-Museum und an anderen Orten in Afghanistan zertrümmert.

12. März:

Die vollkommene Zerstörung der Buddhas von Bamian bestätigt

8. April:

Genf: Zusammentreffen von Delegierten der 3 wichtigsten Oppositionsgruppen im Exil: der Rom-, der Zypern- und der Bonn-Gruppe, um ihre Friedensbemühungen zu koordinieren und eine Loya Jirga zu organisieren.

16. April:

Mullah Rabbani (2. Mann der Taliban, nicht zu verwechseln mit Burhanuddin Rabbani) erliegt einem Krebsleiden.

Anfang August:

8 internationale und 16 afghanische Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now" werden von den Taliban gefangen genommen und unter Anklage der christlichen Missionierung gestellt.

31. August:

Auch andere explizit christliche Organisationen werden von den Taliban verboten.

9. Sept.:

Selbstmordattentat auf den Kommandanten Ahmad Shah Massoud in Khwaja Bahauddin. Der Tod Ahmad Shah Massouds wird erst am 14. Sept. offiziell bekannt gegeben. Am 16. Sept. findet die Beerdigung im Panjshir-Tal statt.

Der 11. September 2001

11. Sept.:

Die verheerenden Terroranschläge auf New York und Washington werden Bin Laden und seinen Beschützern, den Taliban zur Last gelegt. Die Weltöffentlichkeit wendet sich sofort Afghanistan zu, die USA suchen Verbündete für ein militärisches Eingreifen in Afghanistan.

11. Sept.:

General Moh. Fahim, bis dahin Stellvertreter Ahmad Shah Massouds wird von der Nordallianz (Eigenbezeichnung : "United Front") zum Oberkommandierenden und damit Nachfolger Massouds ausgerufen.

13. Sept.:

Präsident Busch ruft den "Krieg gegen den Terrorismus" aus, später in "Enduring Freedom" umbenannt.

15. Sept.:

Neben den NATO-Staaten erklärt sich auch Pakistan zum Verbündeten im Kampf gegen al-Qaida und die Taliban.

20. Sept.:

Eine Versammlung Tausender von Mullahs in Afghanistan fordert Bin Laden zum "freiwilligen" Verlassen des Landes auf.

Ende Sept.:

Während Bürger die Städte aus Angst vor Angriffen der Alliierten verlassen und erste Plünderungen stattfinden, rüsten die Taliban zu einem letzten Gefecht gegen die Ungläubigen. Es werden Waffen an Zivilisten verteilt und versucht, 300.000 Männer zu mobilisieren. Tausende Freiwilliger versuchen ihnen aus Pakistan zu Hilfe zu kommen.

Anfang Oktober:

Prominente Taliban, einschließlich Mullah Omar, und ihre Familien setzen sich aufs Land oder nach Pakistan ab. Unterdessen bringen die USA und ihre Verbündeten ein großes Militär-Aufgebot um Afghanistan in Stellung: 5 Flugzeugträger, ca. 500 Flugzeuge und 70.000 Soldaten

7. Oktober:

US-amerikanische und britische Flugzeuge beginnen in Afghanistan zu bombardieren. Zunächst sind es militärische, später auch zivile Ziele. Menschenrechtsorganisationen und unabhängige Beobachter sprechen von bis zu 4000 Todesopfern unter der Zivilbevölkerung. Die Alliierten werfen auch Lebensmittelrationen ab.

17. Okt.:

Amerikanische Bodentruppen im Einsatz.

26. Okt.:

Abdul Haq, im antisowjetischen Krieg als (Mujahedin-)"Kommandant von Kabul" bekannt, Bruder von Hajji Qadir, wird während seines Versuchs, den Aufstand der ostafghanischen Stämme zu organisieren, von den Taliban aufgebracht und getötet. Unterdessen versucht der Popalzai- Paschtune Hamid Karzai paschtunische Stämme im Süden gegen die Taliban zu mobilisieren.

l. November:

Hamid Karzai entkommt in Uruzgan den Taliban (mit amerikanischer Hilfe?).

9. November:

Mazar-i Sharif fällt in die Hände der Nordallianz.

12. Nov.:

In New York berät die 6+2-Gruppe (Außenminister der Anrainerstaaten + der USA und Russland) über eine künftige provisorische Regierung in Kabul.

12. Nov.:

Ismail Khan (Nordallianz) nimmt Herat ein.

13. Nov.:

Taliban verlassen Kabul, die Nordallianz marschiert in der Hauptstadt ein und ergreift die wichtigsten Machtpositionen.

15. Nov.:

Jalalabad fällt der Nordallianz zu. In Kabul öffnen die Schulen für Jungen und Mädchen.

25. Nov.:

Kunduz fällt an die NA nach einer sehr blutigen Schlacht. Revolte im Gefangenenlager Qala-yi Jangi; von 700 ausländischen Kombattanten werden ca. 400 getötet.

27. Nov.-5. Dez.:

Die Petersbergkonferenz. 28 Delegierte der Nordallianz, der Rom-Gruppe, der Zypemgruppe und der Peshawar-Gruppe beraten auf dem Petersberg bei Bonn unter Vorsitz des Sonderbevollmächtigten des UN- Generalsekretärs Lakhdar Brahimi über eine Interimsregierung in Kabul und den schrittweisen Aufbau eines demokratischen Afghanistan. Die Ergebnisse sind im Petersberg-Abkommen ("Bonn Accord") vom 5. Dezember 2002 festgehalten. Gleichzeitig tagen im benachbarten Bad Honnef 80 Vertreterinnen und Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft über den friedlichen Wiederaufbau von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Recht.

5.-6. Dez.:

Die "Afghanistan Support Group" der wichtigsten Geberländer für Afghanistan tagt in Berlin.

7. Dez.:

Taliban übergeben nach Verhandlungen Kandahar an die Mujahedinkommandanten Gul Agha Sherzai und Mullah Naqibullah. Damit sind die Taliban aus allen Städten Afghanistans vertrieben.

20. Dez.:

Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Aufstellung der ISAF, einer internationalen Sicherungstruppe für Kabul und Umgebung, auf 6 Monate befristet.

22. Dez.:

Die Interims-Regierung unter Hamid Karzai wird vereidigt und nimmt ihre Arbeit auf.

Ende Dezember:

Die USA bombardieren das Höhlensystem von Tora Bora in Nangarhar, wo sich Bin Laden und Teile der al-Qaida aufhalten sollen.

2002:

In den ersten Monaten des Jahres flüchten 10-Tausende von Paschtunen aus Nordafghanistan wegen ethnischer Verfolgung.

9. Januar:

Karzai verspricht in einer Femsehansprache die Einrührung der Marktwirtschaft und Pressefreiheit

11. Jan.:

Die ersten gefangenen al-Qaida-Mitglieder und Taliban treffen im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba ein.

17. Jan.:

Der US Außenminister Colin Powell in Kabul. Verspricht Langzeithilfe für Afghanistan.

21.-22. Jan.:

Große Geberkonferenz in Tokio. 61 Länder u. 21 Organisationen nehmen teil. Für die kommenden 5 Jahre 4,5 Mrd. US$, davon für 2002 US$ 1,8 Mrd. versprochen. Es werden auch sektorale Schwerpunkte für die Hilfe der einzelnen Geberländer festgelegt.

25. Jan.:

Kofi Annan in Kabul. Verlangt von den Nachbarländern, sich politisch und militärisch nicht in Afgh. einzumischen. Einsetzung der Kommission zur Vorbereitung der Loya Jirga im Sommer.

27. Jan.:

Die alte schwarz-rot-grüne Flagge mit Ährenkranz und Moschee wird wieder offizielles Staatssymbol.

30. Jan.:

Karzai vor den UN in New York, bittet um die Ausweitung des ISAF-Mandats.

14. Feb.:

Der Luftfahrtminister Abdul Rahman auf dem Kabuler Flughafen unter ungeklärten Umständen ermordet.

Ende Feb.:

Gulb. Hekmatyar verlässt den Iran. 2. März ff: Amerikanische Operation "Anaconda" in Paktia gegen al-Qaida und Taliban. Al-Qaida sammelt sich in den Tribal Areas von Pakistan.

13.-14. März:

Karzai in Deutschland.

2. April:

Musharrafin in Kabul.

3. April:

Geberkonferenz in Genf. USA bieten $ 235 Mio. für die Aufstellung einer "multiethnischen" afghanischen Armee von 80.000 Mann. Deutschland übernimmt die Ausbildung der Polizei.

7. April:

Massengräber bei Bamian entdeckt. Vermutlich Hazaras, die von Taliban ermordet wurden.

8. April:

Attentatsversuch auf Kriegsminister Fahim in Jalalabad.

13. April:

Beginn der Wahlen zur Loya Jirga auf Distriktsebene.

18. April:

Ex-König Zäher Shah trifft nach 29 Exiljahren in Kabul ein. Er erklärt, die Monarchie nicht wieder einführen zu wollen.

22. April:

Moh. Nabi Mohammadi, Chef der einst großen Mujahedin-Partei Harakat-e Inqelab-e Islami-ye Afghanistan stirbt in Pakistan an Tuberkulose.

27. April:

Der abgesetzte Gouverneur von Paktia Padshah Khan bombardiert Gardez. 115 Tote und Verletzte.

9. Mai:

Kanzler Schröder in Kabul. Deutschland stellt zu der Zeit 1050 ISAF- Soldaten.

23. Mai:

UN-Sicherheitsrat verlängert das ISAF-Mandat um 6 Monate.

30. Mai:

Afghanistan, Pakistan und Turkmenistan erklären, den Bau einer Gasleitung durch Afghanistan nach Pakistan vorantreiben zu wollen.

10-16. Juni:

Große Notstands-Loya Jirga in einem Großzelt in Kabul. 1575 Delegierte. Zäher Shah hält eine kurze Rede zur Eröffnung, nimmt an der weiteren Jirga nicht mehr Teil. Er wird zum Verzicht auf alle Ämter und Funktionen genötigt und erhält den bedeutungslosen Titel "Baba-e Melli" (Vater der Nation). Karzai lässt sich von 81 % der Delegierten zum Staatspräsidenten und Chef der Übergangsregierung für die folgenden 18 Monate wählen. Die Gegenkandidatin Massouda Jalai erhält 171 Stimmen.

17. Juni:

Francesc Vendrell, der ehemalige Sonderbeauftragte des UN- Generalsekretärs in Afghanistan wird EU-Vertreter in Kabul.

20. Juni:

Türkei übernimmt das ISAF-Kommando.

24. Juni:

Neue Übergangsregiemng vereidigt.

l. Juli:

USA bombardieren eine Hochzeitsfeier in Uruzgan. 48 Tote, 117 Verletzte.

6. Juli:

Vizepräsident Hajji Qadir, ehem. Gouverneur von Jalalabad und Minister für öffentliche Bauten in Kabul ermordet.

21. Juli:

Bei Shindand brechen Kämpfe zwischen dem lokalen Kommandanten Amanullah Khan Eshaqzai und Ismail Khan, Gouverneur von Herat, aus.

29. Juli:

Verdächtiger in einem PKW mit 1/21 Sprengstoff nur wenige 100 m vom Präsidentenbüro entdekt.

7. August:

Vermutl. al-Qaida-Kämpfer liefern sich mit Armeeposten vor Kabul 3-stündiges Feuergefecht, 16 Tote.

13. August:

Khatami in Kabul.

19. August:

Newsweek veröffentlicht ein vertrauliches Memorandum der UN, wonach ca. 1000 besiegte al-Qaida und Taliban-Kämpfer beim Transport nach ihrer Gefangennahme in verschlossenen Containern erstickt sind.

5. September:

Starke Autobombe tötet im Kabuler Stadtzentrum 30 Menschen und verletzt 167. Am selben Tag entgeht Karzai in Kandahar nur knapp einem Attentat.

13. Sept.:

Bush kündigt an, dass S-Arabien, Japan und die USA für $ 180 Mio. die Straße Kabul-Kandahar-Herat wiederherstellen werden.

18. Sept.:

Padshah Khan Zadran und seine Miliz aus Khost vertrieben.

23. Sept.:

Die bis dato verfeindeten warlords von Kandahar, Gul Agha Sherzai, und von Herat, Ismail Khan, treffen sich zu ausgiebigen Gesprächen auf Einladung des US Generals Dan McNeill.

28. Sept.:

Karzai verbietet Opiumanbau, droht strenge Strafen an.

8. Okt.:

Komitee zum Entwurf einer Verfassung aufgestellt.

8. Okt.:

Einführung der neuen, in Deutschland gedruckten Währung, l neuer Afghani = 1000 alte Afghani.

10. Okt.:

Feuergefecht zw. Soldaten der regulären Armee und des Geheimdienstes, 3 Tote.

15. Okt.:

Asma Jahangir, die weltweit anerkannte pakistanische Menschenrechtlerin, untersucht im Auftrag der UN die Fakten hinter Berichten von Massakern.

16. Okt.:

In Wardak erzwangen bewaffnete Fanatiker die Schließung einer Mädchenschule mit 1300 Schülerinnen. Ähnliche Vorkommnisse aus anderen Teilen Afghanistans berichtet. Es werden jedoch erheblich mehr Mädchenschulen neu eröffnet, als wg. fanatischer Umtriebe geschlossen.

29./30. Okt.:

Übereinkunft der 3 wichtigsten verfeindeten Kampfparteien in N-Afgh. über die Entwaffnung ihrer Milizen. Der US-Sonderbeauftragte Khalilzad führt Gespräche mit Dostum und Moh. Atta.

31. Okt.::

Internat. Konferenz in Montreal, Canada, über die Rolle der Frauen beim Wiederaufbau Afghanistans.

Anf. Nov.:

Beginn einer Entwaffnungskamagne in Nord-Afgh.

5. Nov.:

Karzai entlässt 20 hochrangige Beamte wg. Korruption und Unfähigkeit. Einige, z.B. der Geheimdienstchef von Kandahar, weigern sich, ihren Posten zu räumen.

11. Nov.:

2 Internat. Organisationen stellen fest, dass Afghanistan weltweit die höchste Sterblichkeit von Müttern während und nach dem Kindbett hat.

12. Nov.:

Arbeiten an der Wiederherstellung der Kabul-Herat-Straße begonnen.

15. Nov.:

Studentenrevolte in Kabul wg. unzumutbarer Zustände in den Wohnheimen. Polizei erschießt mindestens 2 Studenten und löst damit weitere Unruhen aus. UN protestiert gegen das Vorgehen der Polizei.

16. Nov.:

US-Senat genehmigte 2,3 Mrd. US$ für Wiederaufbau Afgh. + l Mrd. für Truppenpräsenz.

21. Nov.:

Kommission zur Reform des Rechtswesens nimmt Arbeit auf.

22. Nov.:

3 Mädchenschulen wiedereröffhet, die in Wardak auf Betreiben von religiösen Fanatikern geschlossen worden waren.

27. Nov.:

ISAF-Mandat um ein Jahr verlängert.

2. Dez.:

Zweite Afghanistankonferenz auf dem Peterberg bei Bonn. Karzai, Schröder und Fischer anwesend. Karzai erläßt Dekret zur Schaffung einer nationalen Armee.

19.-20. Dez.:

Rom: Internationale Konferenz zum Wiederaufbau des Rechtswesens in Afghanistan.

21. Dez.:

7 deutsche ISAF-Soldaten kommen bei Hubschrauberabsturz in Kabul ums Leben.

22. Dez.:

China, Iran, Pakistan, Tajikistan, Turkmenistan und Uzbekistan unterzeichnen Pakt, in die inneren Angelegenheiten Afghanistans nicht mehr einzugreifen.

29. Dez.

2002: Lt. UN sind 2002 2 Mio. Afghanische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt.

2003:

30. Jan.:

Ali Ahmad Jalali löst Taj Moh. Wardak als Innenminister ab.

01. Feb.:

US-Truppen eröffnen erstes 'Provincial Reconstruction Team ' (PRT) in Gardez, eine umstrittene Kombination aus militärischen und zivilen Hilfs-Maßnahmen.

03. Feb.:

UN erklärt Afghanistan zum weltgrößten Opiumproduzenten.

10. Feb.:

Die Niederlande und Deutschland übernehmen das ISAF- Kommando in Kabul.

22. Feb.:

Konferenz in Tokio über Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration in Afghanistan unter Teilnahme von Karzai und den wichtigsten Geberländem.

24. Feb.:

Juma Muhammad Muhammadi, Minister für Bergbau und Industrie kommt bei Flugzeugabsturz in Pakistan ums Leben.

03. Apr.:

OSZE erklärt Afghanistan zum 'Partner für Zusammenarbeit.

04. Jan.2004.:

Nach rund dreiwöchigen Beratungen hat die Ratsversammlung Loja Dschirga eine Verfassung für Afghanistan verabschiedet. Damit ist der Weg für Wahlen frei. Das neue Grundgesetz trägt den liberalen Vorstellungen des Westens Rechnung. Es sieht eine starke Stellung des Präsidenten vor und garantiert Männern und Frauen gleiche Rechte. Bis zuletzt hatten die Delegierten darüber gestritten, ob Usbekisch als dritte Amtssprache neben Paschtu und Dari stehen soll. Ein Kompromiss sieht nun vor, daß die Sprachen von Minderheiten in deren Siedlungsgebieten ebenfalls den Status offizieller Sprachen haben. 500 Delegierte nahmen an den 3.wöchigen Beratungen und der Versammlung teil. 450 Delegierte wurden vom Volk gewählt, 50 Abgeordnete bestimmte Übergangspräsident Karsai. 90 Frauen nahmen teil. Auch afghanische Flüchtlinge in Iran und Pakistan entsandten Delegierte.

11. Jan.2004.:

Früherer UNO - Beauftragter fordert mehr Soldaten in Afghanistan. Zum Schutz der afghanischen Bevölkerung hat der ehemalige UNO - Beauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, den Einsatz von bis zu 10.000 zusätzlichen internationalen Soldaten gefordert. Die Sicherheitslage in Afghanistan sei immer noch die vordringlichste Aufgabe, betonte Brahimi. "Was zuallererst und am meisten benötigt wird, ist Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit ," sagte er. Brahimi hatte am 06.01.2004 nach zwei Jahren seine Arbeit als UNO - Beauftragter in Afghanistan beendet.




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