Teil 5


Die vorherrschenden Schiffe waren nun Karacken; mit einer solchen, der „Santa Maria“, ist Columbus 1492 nach Amerika gefahren. Es war das stattlichste und gebräuchlichste Segelschiff des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts. Es hatte meist drei Masten. Fock-und Großmast besaßen zunächst noch ungeteilte, viereckige Rahsegel, erst Anfang des 16. Jahrhunderts traten Marssegel auf. Nur der achtere Mast trug ein Lateinsegel. Im Gegensatz zur Kogge mit ihren geraden Vor- und Achtersteven war die Karacke rundbauchig; ihre Länge betrug bis zu 40 Meter, die Tragfähigkeit um 500 Tonnen. Karacken und seit der Mitte des 16. Jahrhunderts dann die Galeonen, die Vorläufer des an drei Masten mit Rahsegeln getakelten Vollschiffes, segelten nun die Elbe hinauf. Auf der großen, elf Meter langen Elbkarte des Melchior Lorichs von 1568 im Hamburger Staatsarchiv sind sie abgebildet.
The prevailing ships were now caracks and it was with one of these, the “Santa Maria”, that Columbus sailed to America in 1492. This was the most stately and oft-used sailing ship of the 15th and early 16th century. It generally had three masts. The foremast and main mast initially still had undivided square sails.It was not until the beginning of the 16th century that double topsails made their appearance. Only the aft mast carried a lateen sail. In contrast to the cog with its straight stem and stern-post, the carack had rounded lines. It was up to 40 metres long and had a deadweight of about 500 tons. Caracks, and then from the middle of the 16th century onwards galleons, the forerunners of the full-rigged ships with square sails on three masts, now sailed up the Elbe. They are illustrated on the large, eleven-metre long chart of the Elbe by Melchior Lorichs dating from 1568 which is now in the Hamburg State Archives.


(Argentinier der Libertad 878 x 570 Pixel Buch Seite 78) Argentinier von der “Libertad”
Argentinians from the „Libertad“.

(Kolumbianer von der Gloria 786 x 570 Pixel Buch Seite 78)Kolumbianer von der “Gloria”.
Colombians from the „Gloria“.

(Russen von der Krusenstern 921 x 570 Pixel Buch Seite 78) Russen von der “Krusenstern”
Russians from the „Krusenstern“.

(Deutsche von der Gorch Fock 824 x 570 Pixel Buch Seite 78)Deutsche von der “Gorch Fock”.
Germans from the „Gorch Fock“.

(Amerigo Vespucci 1000 x 1209 Pixel Buch Seite 79) Das Schulschiff der italienischen Marine “Amerigo Vespucci” an den Landungsbrücken.
The training ship of the Italian Navy, „Amerigo Vespucci“, at the Landungsbrücken.

(Gorch Fock, Libertad, Sagres, Dar Mlodtiezy 1024 x 768 Pixel Buch Seite 80,81)An der Überseebrücke am Niederhafen, dort, wo jahrhundertelang bis um 1900 an den Pfählen die großen frachtfahrenden Vollschiffe und Barken festzumachen pflegten, liegen nun, von links nach rechts, die Bark “Gorch Fock”, das Vollschiff “Libertad”, die Bark “Sagres” und das Vollschiff “Dar Mlodziezy“.
At the Überseebrücke In the „Niederhafen“ part of the port, where for centuries up to around the year 1900 the large cargo barks and full-rigged ships used to tie up, the berths are now occupied from left to right by the bark „Gorch Fock“, the full-rigged „Libertad“, the bark „Sagres“ and the full-rigged „Dar Mlodziezy“.


Dort sieht man aber auch viele kleinere Frachtensegler unterwegs nach Hamburg, traditionelle Küstenfahrertypen, unter denen auch schon die heimischen ein- und zweimastigen Ewer besonders auffallen. Die Galeonen holten nun aus den spanischen, potugiesischen, später französischen und seit 1600 vornehmlich holländischen Häfen die Waren, die nach dort aus den Kolonien herangebracht wurden, deren Verschiffung aus Übersee jedoch diese Kolonialmächte ihrer eigenen Handelsflotte vorbehalten hatten. Seit dem 17. Jahrhundert dominierten Holländer auch in Hamburg selbst. Reeder und Kaufleute aus den Niederlanden hatten hier während der Unabhängigkeitskämpfe ihrer Heimat gegen Spanien Zuflucht gefunden und setzten nun Kapital, Erfahrungen und Geschäftsbeziehungen von der Elbe aus ein.
However, this chart also shows many smaller sailing cargo vessels on their way to Hamburg, traditional coastal shipping, among which the local single and two-masted wherries are particularly noticeable. The galleons now collected goods from the Spanish, Portuguese, then from the French and since the year 1600 chiefly from the Dutch ports, goods which had been shipped there from the colonies, although the colonial powers reserved the actual transport from overseas for their own merchant fleet. From the 17th century onwards the Dutch dominated the scene, even in Hamburg. Shipowners and merchants from the Netherlands had found refuge here during the wars of independence of their native country against Spain and now deployed their capital, experience and business connections from the Elbe.


(Alexander von Humboldt, Großherzogin Elisabeth, Mir, Krusenstern 1004 x 796 Pixel Buch Seite 82) Zu der ersten Windjammerparade anläßlich der Achthundertjahrfeier des Hamburger Hafens haben sich die Schiffe auf der Elbe versammelt. Die Formation wird von der deutschen Bark „Alexander von Humboldt“ angeführt, dahinter rechts die „Großherzogin Elisabeth“ links die „Mir“, und rechts, noch halb hinter dem Schwimmdock verborgen, die „Krusenstern“.
The ships have gathered on the Elbe for the first Windjammer Parade to mark the occasion of the eighthundred-year jubilee of the Port of Hamburg.The formation is led by the German bark „Alexander von Humboldt“, followed by the „Großherzoginn Elisabeth“ on the right, the „Mir“ on the left, and behind on the right, still half hidden behind the floating dock, the „Krusenstern“.


Damals hat Hamburg von dem Holländer Valckenbourgh seine großen Festungswälle anlegen lassen, an deren Stelle breite Autostraßen noch heute die Grenze der Innenstadt kennzeichnen. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, der ganz Mitteleuropa schwer verwüstete, hat das stets neutral gebliebene Hamburg, nicht zuletzt dank seiner hochmodernen Befestigung, keine schlechten Geschäfte gemacht, wenngleich die Niederelbe, besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, als sich schwedische und dänische Schiffe hier wiederholt Gefechte lieferten, nicht immer gefahrlos passierbar war. Das neutrale, evangelische Hamburg hat damals auch die Spanier, Gegner der protestantischen Mächte, mit Kriegsmaterial versorgt. Eine mit Pulver für Spanien beladene Galeone flog sogar 1622 vor Neumühlen in die Luft. Amsterdam, damals wohl der verkehrsreichste Hafen der Welt, spielte nun im Handel wie im Seeverkehr mit Hamburg die wesentliche Rolle.
At that time Hamburg had its large ramparts constructed by the Dutchman Valckenbourgh, and in their place today wide main roads still mark the boundaries of the city centre. During the Thirty Years`War from 1618 to 1648 which devastated the whole of Central Europe, the City of Hamburg, ever neutral, transacted quite acceptable business, not least due to its highly modern fortifications, although the Lower Elbe could not always be passed without danger, especially during the second half of the century when Swedish and Danish ships constantly engaged each other in combat. In those days the neutral, Protestant city of Hamburg also supplied war materials to the Spaniards, opponents of the Protestant powers. A galleon loaded with gunpowder for Spain even exploded off Neumühlen in 1622. Amsterdam, in those days probably the most frequented port in the world, now played the principal role together with Hamburg in both trade and sea traffic.


(Gorch Fock, Amerigo Vespucci, Gloria, Sagres, Dar Mlodziezy 1000 x 682 Pixel Buch Seite 83)An der Spitze der zweiten Parade fährt die „Gorch Fock“. Ihr folgen die „Amerigo Vespucci“, die „Gloria“, die „Sagres“ und die „Dar Mlodziezy“.
The „Gorch Fock“ heads the second parade, followed by the „Amerigo Vespucci“, the „Gloria“, the „Sagres“ and the „Dar Mlodziezy“.

(Viele Schiffe 1001 x 747 Pixel Buch Seite 84)Die Windjammer, vorn die “Mir” links dahinter die unter der Flagge Maltas fahrende Barkentine “Atlantis”, rechts die “Krusenstern”, werden von Assistenzschleppern und unzähligen Barkassen, Yachten und Zuschauerbooten begleitet.
The windjammers – in the foreground the „Mir“, behind on the left the barkentine „Atlantis“ wearing the Maltese flag and on the right the „Krusenstern“ – are accompanied by assistant tugs and countless launches, yachts and spectators` boats.

(Viele Schiffe 1003 x 1381 Pixel Buch Seite 85)Außer den Großseglern und Schulschiffen paradieren auch Gruppen von holländischen Plattbodenschiffen vor einem Millionenpublikum auf der Elbe.
As well as the tall ships and the sail training ships, groups of Dutch flatbottomed ships also parade before millions of spectators along the Elbe.

(Die Tjalk Lacneia 1000 x 665 Pixel Buch Seite 86)Die über hundert Jahre alte Tjalk “Lacneia“ während der Parade auf der Elbe.
The more than hundred-year-old Dutch tjalk „Lacneia“ during the parade on the Elbe.

(Dock von Blohm &Voss mit der Mir 998 x 686 Pixel Buch Seite 87)Am anläßlich des Hafenjubiläums mit einem riesigen Gemälde verzierten Schwimmdock der Werft Blohm+Voss vorbei laufen die “Mir” und vor ihr ein Jachtschoner von der Ostsee langsam elbabwärts.
The „Mir“ and in front of her a jachtschooner from the Baltic Sea run slowly down the Elbe past the floating dock of the Blohm+Voss shipyard which has been specially decorated with a giant painting for the port jubilee celebrations.


Es gab jedoch von Amsterdam noch nicht den heutigen kurzen Seekanal zur Nordsee. Die zahllosen Flotten der Ost- und Westindienfahrer mussten erst das Wattenmeer der Zuidersee durchsegeln, ehe sie, wenn es dann nach Westen zum Englischen Kanal ging, an der Insel Texel vorbei, oder, wenn sie nach Norden, also auch nach Hamburg segeln wollten, durch das Vlie genannte Seegatt zwischen den Inseln Vlieland und Terschelling das offene Meer erreichten. Vor Terschelling war besonders die Tiefwasserbucht vor dem Hauptort der Insel und ihrem alten Backsteinturm Brandaris, dem weithin sichtbaren Seezeichen zur Ansteuerung der Einfahrt zu den Zuiderseehäfen, bevorzugter Liegeplatz, wenn man auf günstigen Wind warten musste, ehe man in See gehen konnte. Im 18. Jahrhundert sind außer den gewohnten kleineren Küstenfahrern aus Holland, aus deutschen und dänischen Nordseehäfen hauptsächlich Schiffe aus England, Frankreich, der Ostsee und dem nordrussischen Archangel nach Hamburg gekommen, die meisten aus London. Von dort, wie aus Rouen, Bayonne und Nantes, wurde nach Hamburg gebracht und hier zur Versorgung des mittel- und osteuropäischen Binnenlandes umgeschlagen, was man damals „Kolonialwaren“ nannte, in erster Linie Kaffee, Zucker und Gewürze aus den englischen und französischen Kolonien, aus Frankreich jedoch, wie schon zur Hansezeit, besonders Wein.
However, in those days there was no short canal link for seagoing vessels from Amsterdam to the North Sea. The countless fleets of East Indiamen and West Indiamen first had to sail through the shallows of the Zuider Zee before passing the island of Texel if they wanted to turn west to the English Channel, or through the sandbank-bounded channel called the Vlie between the islands of Vlieland and Terschelling if they wanted to sail north, in other words on to Hamburg too. Here the deep water bay in front of the main town of the island with its old brickwork tower, Brandaris, the sea mark visible from afar and pointing the way for the helmsman to the Zuider Zee ports, was the preferred mooring when ships had to wait for favourable winds before being able to put out to sea. In the 18th century apart from the familiar smallish coastal vessels from Holland and from German and Danish North Sea ports, it was chiefly ships from England, France, the Baltic Sea and the largest number of these coming from London. From there, as from Rouen, Bayonne and Nantes, the cargoes carried to Hamburg and turned round here to supply the Central and East European inland territories consisted of what in those days used to be called “colonial produce”, primarily coffee, sugar and spices from the British and French colonies, but from France itself, as during the age of the Hanseatic League, chiefly wine.


(Mehrere Großsegler 1142 x 772 Pixel Buch Seite 88)Blick vom Kaiserkaispeicher zur Englandfähre und zur Altonaer Kirche. Matrosen der noch an der Überseebrücke liegenden „Sagres“ binden in den Rahen die Segel los, links auf der „Dar Mlodziezy“ und der „Libertad“ sind die Segel schon bereit zum Setzen, während dahinter die „Amerigo Vespucci“ im Fahrwasser dreht, um sich in die Paradeformation einzureihen.
View from the Kaiserkai warehouse across to the Englandfähre ferry station and the church in Altona. Sailors on the “Sagres” which is still lying at the Überseebrücke are unbending the sails in the yards. On the left the sails on the “Dar Mlodziezy” and the “Libertad” are ready for setting, while in the background the “Amerigo Vespucci” is turning in the channel to line up in the parade formation.

(Krusenstern - Dock 11 - Blohm&Voss 999 x 713 Pixel Buch Seite 89)Auf der Höhe des Pinnasbergs auf St. Pauli passiert die „Krusenstern“ einen Tanker im Dock 11 von Blohm+Voss. Neben ihr läuft der erst wenige Jahre alte britische Gaffelschoner „Spirit of Merseyside“.
Off the St. Pauli Pinnasberg the “Krusenstern” passes a tanker in Dock 11 of Blohm+Voss. She is accompanied by the British gaff schooner “Spirit of Merseyside” which is only a few years old.

( Gloria und Sagres 1002 x 1462 Pixel Buch Seite 90)Die Matrosen der “Gloria” winken von den Rahen den am Ufer stehenden Menschenmengen zu. Der „Gloria“ folgt die „Sagres“ mit gesetzten Untermarssegeln.
The sailors of the „Gloria“ waving from the yards to the crowds lining the shore. The “Gloria” is followed by the “Sagres” with her lower topsails set.

(Gorch Fock 922 x 811 Pixel Buch Seite 91)Die “Gorch Fock” vor Neumühlen im Gedränge der Zuschauerboote.
The „Gorch Fock“ off Neumühlen amidst the crowds of spectators`boats.

(Amerigo Vespucci und Libertad 1000 x 1508 Pixel Buch Seite 92)Die “Amerigo Vespucci”, im Hintergrund die “Libertad” beim Ablegen von den Landungsbrücken.
The „Amerigo Vespucci“, in the background the „Libertad“ casting off from the Landungsbrücken.

(Die Krusenstern 998 x 848 Pixel Buch Seite 93)Die “Krusenstern” vor den Werftanlagen von Steinwerder.
The „Krusenstern“ drawing past the shipyard installation on Steinwerder.

(Die Capitan Miranda 889 x 593 Pixel Buch Seite 94)Von Klüverbaum und Vorschiff des uruguayischen Marineschulschiff “Capitan Miranda” salutieren die Kadetten.
The cadets saluting from the jib boom and forecastle of the Uruguayan Navy`s sail training ship, “Capitan Miranda”.

(Matrosen auf der Libertad 998 x 1470 Pixel Buch Seite 95)Matrosen der argentinischen Marine haben sich zur Parade auf den Rahnocken der “Libertad” aufgestellt.
Sailors from the Argentine Navy have taken up position for the parade in the yard arms of the „Libertad“.

(Krusenstern und Lowestoft Smack Excelsior 1003 x 1467 Pixel Buch Seite 97)(Rahsegler vor St.Pauli - Aquarell -  902 x 811 Pixel Buch Seite 96)Ein Rahsegler hat vor St. Pauli geankert, Aquarell von Christopher Suhr vom Anfang des 19. Jahrhunderts. An gleicher Stelle ziehen jetzt die „Krusenstern“ und die britische Lowestoft Smack „Excelsior“ vorüber, im Hintergrund sieht man die Kirche von St. Pauli und die Altonaer Christianskirche.
A square-rigger at anchor off St.Pauli, watercolour by Christopher Suhr from the beginning of the 19th century. At the same place today the “Krusenstern” and the British Lowestoft smack “Excelsior” draw past during the parade, in the background the church of St. Pauli and the Christianskirche in Altona.


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